Zwei erfolgreiche Oststeirerinnen plaudern aus dem Unternehmerinnen-Nähkästchen: Was es zum Gründen braucht und wie weibliches Unternehmerinnentum die Geschlechtergleichheit am Land fördern kann.

Elisabeth Leitner ist stetig unterwegs in unterschiedlichsten Schulen, um Kindern mit ihren Maskottchen Gary und Fiona viel Nützliches über Taschengeld, bewussten Konsum und den sorgsamen Umgang mit Geld zu erzählen. Immer mit dabei: Ihr selbst entwickeltes Memo-Spiel, das den Kleinen nicht nur spielerisch das Thema Geld und Co. vermittelt, sondern 2023 auch den Grundstein für die Gründung ihrer GmbH „GO for it“ legte:
„Meine Vision ist, dass jedes Kind in Österreich Zugang zu praxisorientierter und kinderleichter Finanz- und Wirtschaftsbildung haben muss. Aus meiner Tätigkeit als selbständige Versicherungs- und Vermögensberaterin weiß ich, dass fehlendes Finanzwissen oftmals in einer Schuldenspirale mündet. Das will ich schon von klein auf verhindern.“ – Elisabeth Leitner

Gründen mit dem X-Chromosom
Elisabeth Leitner ist eine von vielen Frauen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Allein in den Bezirken Hartberg-Fürstenfeld und Weiz gab es im Jahr 2023 1.054 Neugründungen, davon wurden 959 in der gewerblichen Wirtschaft als Einzelunternehmen gegründet. Frauen haben davon 599 dieser Einzelunternehmen gegründet, das entspricht 62 Prozent und überschreitet den Steiermark-Durchschnitt von rund 50 Prozent. Diese sogenannten „Female Founders“ wirbeln in der oststeirischen Start-up-Szene mit neuen Sichtweisen und Mut nicht nur gehörig Staub im positiven Sinne auf. Sie tragen auch dazu bei, dass mit gängigen Rollenbildern gebrochen und die Gleichstellung am Land vorangetrieben wird.
Gerade in der Oststeiermark ein wichtiges Thema, wie Daniela Adler, Geschäftsführerin der Regionalentwicklung Oststeiermark, unterstreicht: „Im Zuge unseres Auftrags, regionale Gleichstellung voranzutreiben, wollen wir für Chancengleichheit in allen Bereichen in der Oststeiermark sensibilisieren. Wir sehen darin ein enormes Potenzial, das günstige Effekte auf die gesamte Region, ihre Wirtschaft und Bevölkerung hat. Gründerinnen und Gründer, egal welches Geschlecht, bringen nämlich frische Ideen, Perspektiven und Herangehensweisen in die lokale Wirtschaft ein und schaffen neue Arbeitsplätze. Hinzu kommt, dass Frauen oftmals auch aus sozial-nachhaltigen Aspekten gründen, was die Lebensqualität aller Bewohnerinnen und Bewohner erhöht. Darüber hinaus erfüllen Unternehmerinnen auch eine wichtige Vorbildfunktion und sind Inspiration für die nächste Generation, indem gängige Klischees hinterfragt werden. Auch das kann zu einer gerechteren Verteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten führen.“
„Mumpreneurs“ im Vormarsch
Für Elisabeth Leitner war neben ihrer Vision die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und flexible Zeiteinteilung einer der Beweggründe, als „mumpreneur“ durchzustarten. „Ich arbeite dann, wenn die Kinder fremdbetreut werden oder schlafen. Mit meinem Mann habe ich fixe kinderfreie Tage und Abende festgelegt, an denen ich mich voll und ganz auf die Arbeit fokussieren kann und mich auch nicht um Themen wie Hausaufgaben oder Kochen kümmern muss. Das Allerschönste ist aber, dass sich meine Arbeit nicht wie Arbeit anfühlt. Ich brenne für meine Vision“, bilanziert die Powerfrau aus Fladnitz, die gerade an der Weiterentwicklung ihres Spiels zu einer App arbeitet. „Außerdem kann ich meine Arbeitszeit selber skalieren und aufstocken, wenn die Kinder größer sind.“
Von der Selbstständigkeit zur Angestellten
Female Entrepreneurship kann somit dazu beitragen, die Lohnlücke ein Stück weit zu schließen und selbstbestimmt an den Schrauben der Altersarmut zu drehen beziehungsweise finanzielle Nachteile aufgrund von Teilzeitarbeit zu verringern. Dieser Meinung ist auch Karin Ronijak. Sie führte bis vor kurzem erfolgreich die „Marketing Praxis“ in Gleisdorf mit bis zu neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Spitzenzeiten: „Man entscheidet selbst, wie viel und wann man arbeitet und es ist leichter, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen und als Frau beruflich am Ball zu bleiben.“

Nach vielen Jahren als erfolgreiche Unternehmerin hat sie selbstbestimmt und wohlüberlegt die Seite beziehungsweise in ein Angestelltenverhältnis gewechselt. Nicht Scheitern war die Motivation, sondern persönliches Wachstum, wie sie betont: „Ich bin ein Mensch, der immer nach oben strebt. Ist der Plafond erreicht, suche ich mir neue Ziele. Das wollte ich auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten. Alle wurden von einem größeren Unternehmen mit tollen Entfaltungsmöglichkeiten übernommen.“ Heute ist sie Vice President im Bereich Global Public R&D Funding bei ams Osram und eine von insgesamt 17,7 Prozent Frauen, die in Österreich unselbstständig beschäftigt sind und eine Führungsposition bekleiden. Zum Vergleich: Bei den Männern sind es 30 Prozent.
„Frauen bringen eine ganzheitliche Sichtweise ein. Das eröffnet neue Perspektiven und bringt das Unternehmen insgesamt weiter. Ausdauer, Fleiß, eine dicke Haut und entsprechende Rahmenbedingungen – von einer guten Kinderbetreuung bis hin zu einer pro unternehmerischen Haltung seitens Politik und Gesellschaft“, fasst Karin Ronijak ihre wichtigsten Schlüsselerkenntnisse zusammen.
Unterstützung beim Gründen
Damit das Unternehmen Selbstständigkeit insgesamt kein Bauchfleck, sondern von der ersten Idee bis zur Verwirklichung eine Bestleistung wird, rät Geschäftsführerin Daniela Adler außerdem allen Gründerinnen und Gründern, sich von Anfang an Unterstützung und Mentorinnen und Mentoren zu suchen: „Mit der ’Startup Schmiede Oststeiermark’ gibt es seit 2023 eine tolle Plattform, die alle Informationen rund ums Gründen bündelt, zu den entsprechenden Stellen weitervermittelt und spannende Netzwerkevents anbietet.“ Über einen dieser Events ist auch Elisabeth Leitner unlängst Mentorin geworden. Sie begleitet nun Neugründerinnen und Neugründer mit ihrer Expertise durch die mitunter schwierige Anfangsphase. „Nicht aufgeben, an sich und sein Produkt glauben, groß denken, aber kleine Schritte setzen, sich Gleichgesinnte suchen und dann: Go for it“, schmunzelt sie. Und: „Sich Fehler erlauben. Denn auch Umwege erhöhen letztendlich die Ortskenntnis“.

Mehr Informationen zur Startup Schmiede Oststeiermark findet ihr unter oststeiermark.at/startupschmiede.